Brandschutz im Holzbau (Schweiz): Fakten, Mythen und eine klare Checkliste

Aktuelle Ereignis in Crans-Montana

Indoor-Effekte, Funken, offene Flammen

Warum sind Effekte mit Funken oder Hitze in Innenräumen besonders kritisch?

Effekte mit Funken oder Hitze stellen in Innenräumen ein erhöhtes Risiko dar, weil sie eine unmittelbare Zündquelledarstellen. In geschlossenen Räumen kommen mehrere Faktoren zusammen: kurze Abstände zu Decken und Wandbekleidungen, begrenzte Wärmeabfuhr sowie oft eine erhöhte Brandlast durch Innenausbau, Dekorationen oder Akustikmaterialien. Selbst vermeintlich kleine Effekte können unter ungünstigen Bedingungen eine Entzündung auslösen

Was ist aus Brandschutzsicht der Unterschied zwischen Wunderkerzen, Fontänen oder ähnlichen Showeffekten?

Allen diesen Effekten ist gemeinsam, dass sie Funken oder heisse Partikel erzeugen. Der Unterschied liegt in Dauer, Temperatur und Funkenflug, nicht im Grundrisiko. Aus brandschutztechnischer Sicht gelten sie deshalb nicht als harmlos. In öffentlich zugänglichen Innenräumen sind solche Effekte bewilligungs- und auflagenpflichtig und dürfen nur im Rahmen eines geprüften Sicherheitskonzepts eingesetzt werden.

Welche sicheren Alternativen gibt es für Veranstaltungen?

Atmosphäre lässt sich auch ohne Zündquellen erzeugen, etwa durch Licht-, Projektions- oder Toneffekte. Diese Lösungen haben den Vorteil, dass sie keine Brandquelle darstellen und das Risiko deutlich reduzieren. Entscheidend ist, dass Effekte nicht nur gestalterisch, sondern immer auch brandschutztechnisch beurteilt werden.

 

Akustikdecken, Innenausbau, Brandlast

Warum spielen Akustikdecken, Verkleidungen und Dämmstoffe im Brandfall eine so grosse Rolle

Der Innenausbau beeinflusst den Brandverlauf wesentlich. Bestimmte Materialien können Brand- und insbesondere Rauchentwicklung beschleunigen. Rauch ist oft gefährlicher als offene Flammen, da er Sicht und Orientierung nimmt und toxische Bestandteile enthalten kann. Deshalb ist die Auswahl von geprüften Materialien und Systemen im Innenausbau ein zentraler Bestandteil des Brandschutzes.

Woran erkennen Betreiber oder Bauherren, ob ein Material kritisch sein könnte?

Ein erstes Warnsignal ist das Fehlen klarer Produkt- oder Systemnachweise zum Brandverhalten. Auch poröse oder schaumartige Materialien sollten besonders kritisch geprüft werden. Grundsätzlich gilt: Entscheidend ist nicht die Optik oder der Preis, sondern ob das Material für die jeweilige Nutzung zugelassen und dokumentiert ist

Welche Nachweise sollten zwingend vorhanden sein?

Erforderlich sind nachvollziehbare Angaben zum Brandverhalten des Materials, Systemnachweise für den vorgesehenen Aufbau sowie eine saubere Dokumentation. Diese Unterlagen sind nicht nur für die Planung wichtig, sondern auch für Kontrollen im Betrieb.

 

 

Rauch, Sicht und Orientierung

Warum verlaufen Brände in Innenräumen oft so schnell und unübersichtlich?

In Innenräumen kann sich Rauch sehr rasch ausbreiten. Bereits nach kurzer Zeit kann die Sicht stark eingeschränkt sein. Gleichzeitig steigt die Temperatur, und Rauchgase können die Handlungsfähigkeit beeinträchtigen. Deshalb sind funktionierende Fluchtwege, Notbeleuchtung und eine klare Orientierung entscheidend für die Sicherheit der Personen im Gebäude.

 

Fluchtwege und Betrieb

Welche Fehler kommen bei Fluchtwegen im Alltag am häufigsten vor?

Typische Probleme sind zugestellte oder eingeengte Fluchtwege, verdeckte Notausgänge oder Türen, die nicht wie vorgesehen funktionieren. Oft entstehen diese Mängel nicht in der Planung, sondern im täglichen Betrieb – etwa durch Möblierung, Lagerung oder temporäre Installationen.

Was können Betreiber konkret tun, um Fluchtwege sicher zu halten?

Fluchtwege sollten regelmässig kontrolliert werden. Dazu gehört, dass sie jederzeit frei zugänglich sind, Notausgänge eindeutig erkennbar bleiben und Türen ohne Hilfsmittel geöffnet werden können. Kurze, regelmässige Sichtkontrollen sind dabei oft wirksamer als seltene, umfangreiche Prüfungen.

 

Kontrollen, Verantwortlichkeiten, Dokumentation

Welche Rolle spielen regelmässige Kontrollen im Brandschutz?

Kontrollen stellen sicher, dass geplante Massnahmen auch im Betrieb wirksam bleiben. Ohne regelmässige Überprüfung verlieren selbst gute Konzepte ihre Wirkung. Dokumentierte Kontrollen schaffen Transparenz und ermöglichen es, Mängel frühzeitig zu erkennen und zu beheben.

Welche Dokumentation ist aus der Praxis besonders wichtig?

Wesentlich sind ein nachvollziehbares Brandschutzkonzept, Produkt- und Systemnachweise, Protokolle von Kontrollen sowie eine einfache Fotodokumentation kritischer Bereiche. Diese Unterlagen dienen sowohl der Sicherheit als auch der Nachvollziehbarkeit gegenüber Behörden und Eigentümern.

 

Holzbau – Einordnung und Klarstellung

Warum ist die Aussage „Holz ist gefährlich“ zu kurz gegriffen?

Holz ist ein brennbarer Baustoff, sein Brandverhalten ist jedoch bekannt und berechenbar. Im Holzbau wird Brandschutz über Querschnitte, Bekleidungen, Systemaufbauten und konstruktive Massnahmen gezielt gesteuert. Entscheidend ist nicht der Baustoff allein, sondern die Gesamtkonzeption und Qualität der Ausführung

Wo liegen im Holzbau typische Schwachstellen?

Schwachstellen entstehen häufig bei Durchdringungen und Anschlüssen, etwa für Elektro-, Sanitär- oder Lüftungsinstallationen. Werden diese Bereiche nicht systematisch geplant und ausgeführt, können brandschutztechnische Schwächen entstehen. Deshalb sind geprüfte Abschottungen und eine konsequente Qualitätskontrolle besonders wichtig.

Weitere Informationen zum Thema Holzbau und Brandschutz

 Weitere Informationen zum Thema Holzbau und Brandschutz

 

Revision der schwei­ze­ri­schen Brand­schutz­vor­schrif­ten: So­fort­mass­nah­me Pyroverbot und weiteres Vorgehen

Der leitende Ausschuss des Interkantonalen Organs Technische Handelshemmnisse IOTH ( Konkordat der Baudirektorinnen und Baudirektoren aller 26 Kantone ) hat sich heut über das weitere Vorgehen bei der Totalrevision der schweizerischen Brandschutzvorschriften ausgetauscht. Nebst den vorläufigen Erkenntnissen aus dem verheerenden Brand in Crans - Montana sind im Rahmen der technischen Vernehmlassung rund 11`000 Rückmeldungen eigegangen. Beide Aspekte bedingen eine sorgfältige Einarbeitung, welche zu einer späteren Inkraftsetzung ( voraussichtlich Herbst 2027 ) der totalrevidierten Brandschutzvorschriften führt. Als Sofortmassnahme wird der Plenarversammlung des IOTH im März 2026 ein Pyroverbot in öffentlich zugänglichen Räumen beantragt.

 

Die Ergebnisse der am 11. Januar 2026 abgeschlossenen technischen Vernehmlassung sowie vorläufige Erkenntnisse aus den noch laufenden Untersuchungen zum tragischen Brand in Crans-Montana werden sorgfältig in die totalrevidierten Brandschutzvorschriften eingearbeitet. Die zahlreichen Rückmeldungen zur Vernehmlassung zeigen, dass die grundsätzliche Stossrichtung des risikobasierten Ansatzes und des einheitlichen Vollzugs richtig ist. Dieser Ansatz führt zu den richtigen Massnahmen am richtigen Ort: wo mehr Risiken bestehen, wird der Brandschutz verstärkt und mehr kontrolliert. Die Überarbeitung führt zu einem schweizweit harmonisierten, kompetenteren und konsequenteren Vollzug, woran der Leitende Ausschuss des IOTH festhalten will.

Der leitende Ausschuss des IOTH setzt sich zum Ziel, die künftigen Brandschutzvorschriften per Herbst 2027 in Kraft zu setzen. Weiter beantragt er der IOTH-Plenarversammlung vom 6. März 2026 als Sofortmassnahme ein schweizweites Verbot des Abbrennens von Pyrotechnik in öffentlich zugänglichen Räumen. Davon ausgenommen bleiben die bereits heute bewilligungspflichtigen Kategorien von Feuerwerkskörpern.

 

Quelle : Dieser Text wurde uns freundlicherweise vom IOTH ( Interkantonales Organ für technische Handelshemmnisse ) zur Information unserer Kunden zur Verfügung gestellt.

 

 

Neue schweizerische Brand­schutz­vor­schrif­ten: Marschhalt bei Li­be­ra­li­sie­rungs­be­stre­bun­gen und Überprüfung

Mit grosser Betroffenheit gedenken das Interkantonale Organ für technische Handelshemmnisse IOTH (Konkordat der Baudirektorinnen und Baudirektoren aller 26 Kantone) und die Vereinigung Kantonaler Gebäudeversicherungen (VKG) nach dem tragischen Brand in Crans-Montana den Opfern und sprechen ihren Familien ihr herzliches Beileid aus. Vor diesem Hintergrund legen sie beim Projekt «BSV 2026» einen Marschhalt bei den Liberalisierungsbestrebungen ein und unterziehen den Entwurf der Schweizerischen Brandschutzvorschriften einer Überprüfung.

Im Auftrag des IOTH revidiert die VKF seit 2018 die Schweizerischen Brandschutz-vorschriften. Dabei sollen die Vorschriften mit dem Fokus auf die realen Risiken von Grund auf neu aufgebaut werden.

Derzeit befindet sich der Entwurf der neuen Brandschutzvorschriften in der technischen Vernehmlassung. Aufgrund der tragischen Ereignisse wird nun ein Marschhalt eingelegt und das Projekt überprüft. Gesicherte Erkenntnisse aus den noch laufenden Untersuchungen zum Brand in Crans Montana werden vom IOTH sowohl fachlich als auch politisch diskutiert und in die weiteren Arbeiten einbezogen werden. Ein neuer Terminplan für das Projekt «BSV 2026» wird im Anschluss erstellt.

 

Quelle: Medienmitteilung des IOTH und der VKG. Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung der Urheber.

Pressemitteilung

 

 

 

 

verfasst von:

Dave Lämmel

Dave Lämmel

Jun. Leitung Development

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